Ein heißer Sommertag. Ein Campingplatz im Wald. Zwei Frauen – Opfer für den Teenager Ray, der töten will. Er richtet ein Blutbad an, bei dem seine Freunde tatenlos zusehen. Ray kommt ungeschoren davon. Nur zwei Cops lassen nicht locker. Sie wollen den Mörder, um jeden Preis. Ray sieht nur einen Ausweg. Sein Amoklauf explodiert in einem Inferno von Hass, Gewalt und Blut. Ein Albtraum, der alle mit sich reißt.

Jack Ketchum – The Lost

Verlag: Heyne
Jahr: 2011
Seiten: 431
ISBN: 978-3-453-67627-5

Jack Ketchum hat z.B. in Evil oder Beutezeit gezeigt, dass er kein Kind von Traurigkeit ist und seinen Leser auch mal gerne extreme Gewaltdarstellung und Brutalität vor den Latz knallt. Diesen Grad erreicht er in The Lost allerdings nicht, was trotzdem nicht heißt, dass das es im Buch friedlich und nett zugeht – aber von Vorne.

The Lost lässt sich wenig Zeit, den Leser langsam einzustimmen, sondern beginnt gleich mit dem vollen Programm. Die auf dem Einband beschriebene Bluttat an zwei Frauen geschieht nämlich auf den ersten 25 Seiten des Buches. Hier zeigt Ray gleich, mit was für einem durchgeknallten Charakter man es zu tun hat, denn die zwei Mädels werden einfach mal erschossen, da Ray in ihnen „verfickte Lesben“ vermutet.
Wie man es sich denken kann, spart Ketchum bei den Morden natürlich nicht daran, dem Leser die blutigen Details des ganzen mitzuteilen.

Nach diesem blutgetränkten Anfang passiert aber 300 Seiten lang im Prinzip nichts… Ray ist weiter ein Arschloch, vögelt in der Gegend rum, nimmt Drogen usw. Auch die anderen Charaktere sind nicht wirkliche Sympathieträger, weder Rays Freunde noch die Polizisten, die natürlich schon immer wussten, dass Ray ein Mörder ist, es ihm aber nicht nachweisen konnten.

Ketchum nimmt sich also richtig viel Zeit, um seine Charaktere zu beschreiben. Zu viel Zeit, denn das Ganze ist doch ziemlich langatmig. Vor allem weil man prinzipiell die standardmäßigen (mehr oder wenigen kaputten) Charaktere dieses Genres geboten bekommt. Es passiert in diesem sehr langem Mittelteil einfach zu wenig, um den Leser wirklich bei der Stange zu halten. Ich habe immer wieder einige Kapitel nur quergelesen – und ich glaube, man verpasst auch nicht wirklich was, wenn man mal eines überspringen würde…

Erst knapp 100 Seiten vor dem Ende lässt Ketchum bei Ray die Sicherungen vollends durchbrennen, und schickt ihn auf einen kurzen, aber blutigen Rachetrip. Hier bekommt der Leser dann auch wieder explizite Gewalt und blutige Details präsentiert – aber weit entfernt von einem Gewaltlevel wie es Evil oder Beutezeit enthielten. Es gibt weder brutale Folder noch extremste Gewalt, Kannibalismus oder ähnliches – man „beschränkt“ sich auf Morde.

Irgendwie dachte ich die ganze Zeit immer: „Das Buch hätte auch von Richard Laymond sein können“. Viel schlauer sind die Charaktere in The Lost auch nicht, es geht oft genug um Titten und Sex, und im Mittelteil passiert verdammt wenig. Ich hatte mir mehr erhofft, vor allem der viel zu lange Mittelteil hat fast dazu geführt, dass ich das Buch nie zu Ende gelesen hätte.

PS: Der Aufdruck „nach einer wahren Begebenheit“ bezieht sich wohl darauf, dass die Figur des Ray auf dem amerikanischen Serienmörder Charles Schmid basiert.

Jack Ketchum - The Lost

9.99
4

Meine Wertung

4.0/10

Gut

  • Halbwegs unterhaltsamer Anfang und Ende

Nicht so gut

  • viel zu langer Mittelteil