Der kabaretteske Monolog „Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten“ beschert dem geneigten Leser Einblicke in das Leben des Vollblutverwaltungsgenies Hans Fredenbek, der sich seinem ganz eigenen Gedankengewirr aus Aktenzeichen Dienstverordnungen und statistischen Erhebungen zusehends verheddert. Es wird deutlich, dass er sich von dem Leben jenseits seines Büros nahezu völlig verabschiedet hat. Vor allem aber wird schonungslos aufgedeckt, dass es zwischen Slapstick und Tragik eine Nahtstelle gibt. Und dass diese Nahtstelle einen Namen hat. Und dass dieser Name Hans Fredenbek ist.

„Einladung zum Klassentreffen“: In ihrer Schulzeit hatten Marina und Carsten eine Liebesbeziehung. Nach 20 Jahren soll ein Klassentreffen stattfinden. So meldet sich Carsten, einer der Initiatoren, auch bei Marina, deren Leben nach Schicksalsschlägen zeitweilig aus den Fugen geraten war. Die gemeinsame innige Zeit ist für sie längst Vergangenheit, ein Früher. Aber an Carstens Gefühlen hat sich anscheinend nichts geändert. Sein Anruf weckt auch bei Marina Erinnerungen. Das unverfängliche begonnen Telefonat führt beide in ein Wechselbad der Gefühle.

Martin Schörle – Zwei Theaterstücke

Verlag: Engelsdorfer Verlag
Jahr: 2016
Seiten: 117
ISBN: 978-3-96008-408-2

Kein Thriller, kein Krimi – nein diesmal mit Theaterstücken mal etwas ganz anderes als Buch. Ich glaube das letzte Mal, dass ich ein Theaterstück in Buchform gelesen habe war in der Schule – und auch dort nicht so ganz freiwillig 😉 Aber man ist ja mittlerweile offen für alles…

Martin Schörles Buch enthält zwei Theaterstücke, die nichts miteinander zu tun haben und auch von der Art her sehr unterschiedlich sind.

„Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten“

ist im Prinzip „nur“ ein Monolog. Man hört Fredenbeck bei einem „inneren Monolog“ zu, einem ziemlichen Klischee-Beamten. Der Charakter ist aber extrem überzeichnet, und lässt schon mehr als nur ein wenig an der geistigen Zurechnungsfähigkeit zweifeln.
Dieses Stück ist meiner Meinung nach ein gutes Beispiel, dass manchmal die visuelle Komponente doch extrem wichtig ist, und nicht alles in Buchform gut funktioniert. Der Charakter ist so skurril überzeichnet, dass er geradezu nach einer Bühnenpräsenz schreit. Ich denke, hier macht ein guter Schauspieler, der die Marotten des Charakters überzeugend darstellen kann, extrem viel aus. In Buchform hat man zwar die Vorstellung vorm geistigen Auge – trotzdem fehlt irgendwie die Situationskomik.
Als Bühnenstück also sicher unterhaltsam und witzig, in Buchform wollte bei mir der Funke nicht so recht überspringen.

„Einladung zum Klassentreffen“

ist hier anders aufgebaut. Statt Monolog findet man hier einen Dialog durch ein Telefon. Marina erhält nach 20 Jahren im Zug einen Anruf ihres ehemaligen Schulfreundes Carsten, der sie zu einem Klassentreffen einladen will. Dieses Gespräch entwickelt sich aber anders, als es zu erwarten ist – und aus der simplen Einladung wird eine Gespräch über Liebe, Beziehungen und die Vergangenheit.
Im Gegensatz zum ersten Stück sind die Charaktere hier realistischer und glaubwürdiger – das sich entwickelnde Gespräch kann man sich in einer ähnlichen Form definitiv in der Realität vorstellen. Auch ist das ganze hier weniger von der Darstellung der Personen abhängig, weshalb diese Geschichte in Buchform auch um einiges besser funktioniert als das erste Stück.

Beide Stücke sind recht unterhaltsam, wobei mir, wie bereits gesagt, dass zweite gelesen definitiv besser gefallen hat. Live auf einer Bühne könnte sich das Blatt allerdings dann wieder wenden, da die erste Geschichte wohl definitiv mehr von der dann dazukommenden schauspielerischen Komponente profitieren wird.

Liest sich auch recht flott – das ganze Buch ist mit seinen 117 Seiten jetzt auch nicht gerade ein monumentaler Schmöker. Trotzdem werde ich wohl nicht zum großen Fan von Bühnenstücken in Buchform 😉

Ein Dank geht an den Autor für das überlassene Rezensionsexemplar.

Martin Schörle - Zwei Theaterstücke

9,50 €
6.5

Meine Wertung

6.5/10

Gut

  • Kurzweilige Unterhaltung

Nicht so gut

  • Funktioniert auf der Bühne sicher besser